Die Türkei verlässt sich immer noch auf diesen US-Motor, um ihren selbst entwickelten F-35-Ersatz anzutreiben

von gadgetadmin

Die Türkei steht vor einer großen Herausforderung in ihrem Bestreben, einen eigenen Kampfflugzeugtyp zu entwickeln, der die Abhängigkeit von den USA verringern soll. Trotz geschätzter Ausgaben von 10 bis 12 Milliarden US-Dollar ist der nationale Kaan-Kämpfer weiterhin auf einen amerikanischen Motor angewiesen. Diese Situation entsteht nicht zuletzt aufgrund des Ausschlusses der Türkei aus dem F-35-Programm im Jahr 2019, nachdem das Land das russische S-400-Luftverteidigungssystem erworben hatte, was als Sicherheitsrisiko vom Pentagon eingestuft wurde.

Obwohl die Türkei ursprünglich an der Entwicklung des F-35 beteiligt war, wendete sie sich nach dem Ausschluss von diesem Programm dem eigenen Weg zu und initiierte das Kaan-Projekt. Die ersten Modelle des Jets, der den Namen „Kaan“ (übersetzt „Herrscher“) trägt, sollen von einem F110-Triebwerk des amerikanischen Herstellers General Electric angetrieben werden. Dieser Triebwerktyp kommt auch bei den F-16 zum Einsatz. Langfristig plant die Türkei, ihre über 200 veralteten F-16 während der 2030er Jahre auszumustern. Erste Testflüge des Kaan sind für Februar 2024 vorgesehen, die tatsächlichen Auslieferungen werden jedoch erst 2028 beginnen.

Der F110 war immer nur eine Notlösung

Die Entscheidung für den F110 als Antrieb erfolgt nicht aufgrund einer optimalen Passform, sondern weil er verfügbar und vertraut ist. Als Übergangslösung gedacht, wird er vorerst in den ersten 20 Block-10-Jets zum Einsatz kommen. Die Problematik des F110 liegt in zwei zentralen Aspekten: Erstens ist es ein handelsübliches Triebwerk, das nicht über die nötige Stealth-Technologie verfügt. Zweitens erreicht der F110 lediglich eine maximale Schubkraft von 29.500 Pfund, was für einen vierten Generation-Kämpfer wie den Kaan suboptimal ist.

Daher plant die Türkei, zukünftige Kaan-Modelle mit einem selbst entwickelten Triebwerk, dem TF35000, auszustatten, das von Tusaş Engine Industries (TEI) entwickelt wird. Das Ziel ist, eine Schubkraft von 35.000 Pfund zu erreichen und die Fähigkeit zum Supercruise zu ermöglichen, sodass der Jet die Schallmauer ohne Nachbrenner durchbrechen kann. Die Entwicklung des TF35000 befindet sich jedoch noch in der frühen Phase, und eine Integration in spätere Kaan-Versionen wird frühestens bis 2032 angestrebt.

Noch mehr Hürden zu überwinden?

Bis zur endgültigen Bereitstellung des eigenen Triebwerks ist die Türkei weiterhin auf die USA angewiesen. Derzeit hat die Türkei lediglich 10 Einheiten des F110 erhalten, was nur ausreicht, um die Prototypen zu testen. Ein Vertrag über zusätzliche 80 Triebwerke ist in Verhandlungen, die jedoch durch die Entscheidung der Türkei, militärische Ausrüstung aus Russland zu beziehen, kompliziert wird. Türkische Behörden gehen davon aus, dass es bis 2026 zu einer Einigung kommen könnte, allerdings stehen zum Zeitpunkt dieser Veröffentlichung noch keine Fortschritte fest.

Trotz dieser Herausforderungen hat die Türkei Bedenken bezüglich des Triebwerksangebots zurückgewiesen. Haluk Görgün, Leiter der türkischen Verteidigungsbeschaffungsbehörde, betonte, dass das Kaan-Projekt nicht von US-Triebwerken abhängig sei. Dies hat auch Auswirkungen auf den Export: Indonesien hat bereits 48 Kaan-Jets unter der Bedingung bestellt, dass nur eine Version ohne von den USA kontrollierte Teile geliefert wird, was ebenfalls auf den TF35000 angewiesen ist.

Ungeachtet der Problematik mit den Triebwerken könnte die Türkei, wenn der Kaan schließlich in den Dienst der Luftwaffe gestellt wird, in den elitären Club jener Nationen aufgenommen werden, die in der Lage sind, eigene Stealth-Kampfflugzeuge zu entwickeln, zu dem auch die USA, Russland und China gehören.

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