Die US-Marine erwägt derzeit, Kriegsschiffe auf ausländischen Werften zu bauen. Dies wäre das erste Mal seit Jahrhunderten, dass der Bau großer Schiffe an Überseestaaten ausgelagert wird. Hintergrund ist die anhaltende Schiffbaukrise, die dazu geführt hat, dass die Marine derzeit die niedrigste Zahl an Schiffsrümpfen seit dem Ersten Weltkrieg verzeichnet.
Die Einzelheiten des Vorschlags wurden im Schiffbauplan der US-Marine, veröffentlicht im Mai 2026, dargelegt. Der Plan fordert gezielte Gesetzesänderungen und schlägt vor, im Geschäftsjahr 2027 den Bau von bis zu zwei Hilfsschiffen und die Flexibilität zur Herstellung einiger Kampfmodule im Ausland zu genehmigen.
Der Bericht stellt fest, dass die US-Marine aufgrund des aktuellen Zustands nicht in der Lage ist, die geforderte Flottengröße zu erreichen. Gründe hierfür sind unter anderem unzureichende Anlagen auf US-Werften und ein Mangel an qualifiziertem Personal. Diese Problematik wurde bereits im November 2025 von John Phelan, dem damaligen Marineminister, anerkannt, der die Schwierigkeiten bei der Rekrutierung von Arbeitskräften für den Bau von Kriegsschiffen thematisierte.
In einem Gespräch mit USNI schlug Phelan vor, dass die Marine die Möglichkeit in Betracht zieht, Kampfschiffe im Ausland zu bauen.
Welche Verbündeten könnten beim Aufbau der Flotte helfen?
Die US-Marine steht inzwischen an dritter Stelle weltweit, gemessen an der Anzahl der Schiffe, bleibt jedoch die größte Marine nach Bruttoraumzahl. Angesichts der Schätzung, dass Chinas Schiffbaukapazität etwa 230-mal so groß ist wie die der USA, könnte sich dieses Verhältnis in naher Zukunft ändern.
Die Überlegung, im Ausland Schiffe zu bauen, ist somit weniger überraschend als sie zunächst erscheinen mag. Zu den Ländern, die als potenzielle Partner in Betracht gezogen werden, gehören Südkorea und Japan, die über fortgeschrittene Fähigkeiten im Marinebau verfügen.
Obwohl es geografische Distanzen zwischen den USA und diesen Ländern gibt, erscheint eine Partnerschaft sinnvoll. Südkorea hat einige der größten und modernsten Werften weltweit, während Unternehmen wie Mitsubishi Heavy Industries in Japan Marineschiffe für die Japan Maritime Self Defense Force bauen.
Zusammen mit Chinas Schiffbauproduktion tragen diese drei Länder zu etwa 90 % der weltweiten Schiffbauproduktion bei. Diese Tatsache erklärt, warum Washington möglicherweise auf Übersee blicken möchte, um seine „Goldene Flotte“-Initiative voranzutreiben.
Amerikas Schiffbauproblem
Die Probleme im Schiffbau der Marine sind nicht durch die Verlagerung des Baus einiger Hilfsschiffe auf ausländische Werften gelöst. Tatsächlich ist das Problem komplexer und hat sich über Jahrzehnte entwickelt. Seit den 1970er Jahren wurde nur eine neue Werft eröffnet, während im gleichen Zeitraum 14 Marinewerften geschlossen wurden.
Eine alarmierende Statistik verdeutlicht die Kluft: Ein chinesisches Unternehmen (China State Shipbuilding Corporation) produzierte in einem Jahr mehr Tonnage als die gesamte US-amerikanische Schiffbauindustrie seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs.
Die Schaffung neuer Werften ist ebenfalls eine langwierige Angelegenheit, da sie qualifizierte Arbeitskräfte erfordern. Der Branche fällt es zunehmend schwer, solche Fachkräfte zu gewinnen, nicht zuletzt wegen niedriger Löhne. John Phelan wies im November 2025 darauf hin, dass Unternehmen wie Amazon für leichtere Arbeiter vergleichbare Löhne zahlen können.
Die Marine hofft, dass ihre künftige „Goldene Flotte“ einen Weg nach vorn bieten wird, um ihre Position als stärkste Flotte der Welt zu festigen. Zu den Initiativen gehört unter anderem das umstrittene Schlachtschiff der Trump-Klasse. Dennoch wird die Lösung der bestehenden Probleme im Marineschiffbausektor als entscheidend für die Zukunft der Marine angesehen.
