Die Lebensdauer von Kernkraftwerken wird häufig mit „40 Jahren“ angegeben, ein Wert, der ursprünglich mehr aus buchhalterischen Überlegungen als aus technischen Gründen entstand. Dies war die Zeitspanne, in der erwartet wurde, dass die Baukosten der Reaktoren amortisiert wären. Viele dachten, dass die damalige Technologie bis dahin veraltet sein würde. Fälschlicherweise, wie sich herausstellte: Mit regelmäßigem Wartungsaufwand können viele dieser Reaktoren deutlich länger betrieben werden als ursprünglich geplant. Die US-amerikanische Nuklearaufsichtsbehörde (NRC) hat bereits zahlreiche Genehmigungen für Verlängerungen um 20 Jahre erteilt, sofern die Betreiber nachweisen können, wie die Komponenten abgenutzt werden und welche Maßnahmen sie zur Erhaltung der Sicherheit getroffen haben.
Der Großteil der derzeit aktiven amerikanischen Kernkraftwerke hat bereits solche Lizenzen zur Verlängerung erhalten. Die NRC untersucht seit 1982 die Alterung der Reaktoren und hat festgestellt, dass die Abnutzung meist beherrschbar ist. Zudem hat das US-Energieministerium (DOE) bestätigt, dass es keine technische Grenze gibt, die eine Nutzung über 80 Jahre hinaus ausschließt. In der Tat wird sogar untersucht, ob diese Grenze auf 100 Jahre ausgedehnt werden kann.
Nicht jede Anlage erreicht das Alter
Da viele der ersten Verlängerungen in den 2030er Jahren auslaufen, stehen bereits weitere 20 Jahre Verlängerungen zur Diskussion. Einige Reaktoren haben diese bereits erhalten, doch nicht alle Kernkraftwerke haben die Möglichkeit zur Erweiterung bestanden, da einige bereits deutlich länger in Betrieb sind als andere. Die erste Genehmigung für eine 80-jährige Nutzung wurde erst 2019 erteilt, während viele Anlagen, die in den USA stillgelegt wurden, zuvor bereits geschlossen wurden.
Der Stilllegungsprozess eines Reaktors gestaltet sich als aufwendig. Zunächst wird der Brennstoff entfernt, anschließend erfolgt eine gründliche Reinigung aller kontaminierten Bereiche. Die endgültige Schließung erfolgt erst, wenn die Aufsichtsbehörden die Standorte für ausreichend sauber erachten, so dass die Strahlung im Boden unter dem gesetzlichen Grenzwert bleibt.
Es gibt drei Hauptmethoden zur Stilllegung eines Kraftwerks: Bei der sofortigen Stilllegung beginnen die Arbeiten wenige Monate nach der Schließung, wobei das Gelände erst nach zehn Jahren für andere Zwecke genutzt werden kann. Die Safstor-Methode sieht vor, dass die Gebäude über 40 bis 60 Jahre hinweg verschlossen und überwacht werden, während die Radioaktivität abnimmt. Schließlich gibt es das Verfahren der „Begräbnis-Sicherheitslagerung“, bei dem alle verbliebenen Überreste in Beton eingekapselt werden.
Die ältesten aktiven Reaktoren wurden 1969 in Betrieb genommen
Aktuell liegt das Durchschnittsalter der Reaktoren in den USA, dem Land mit der größten Kernenergieproduktion, bei etwa 44 Jahren, Stand März 2026. Es ist damit zu rechnen, dass viele Reaktoren noch viele Jahre funktionsfähig bleiben. Finanzielle Mittel und Richtlinien können sowohl zur Unterstützung als auch zur Stilllegung eines Reaktors führen. Tatsächlich wurden die beiden ältesten Reaktoren Indiens, die 1969 in Betrieb gingen, für sechs Jahre außer Betrieb genommen, bevor sie umfassend renoviert und schließlich 2026 wieder in Betrieb genommen wurden.
Ähnliche Fälle gab es in Japan, wo die größte Kernkraftanlge nach ihrer Wiederinbetriebnahme nur kurz danach wieder abgeschaltet wurde. Zudem gehen sowohl der Reaktor Beznau 1 in der Schweiz als auch Nine Mile Point 1 in New York auf das Jahr 1969 zurück, weswegen die Liste der ältesten Reaktoren weltweit recht voll ist.
